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Therapieansätze mit Stammzellen aus Nabelschnurblut auf dem Vormarsch

Heidelberg - Das therapeutische Potenzial adulter Stammzellen ist ein wesentlicher Pfeiler der Regenerativen Medizin. Dass Nabelschnurblut (NSB) als Stammzellquelle dabei nicht nur stetig an Bedeutung gewinnt, sondern eventuell Knochenmark in ein paar Jahren als Primärquelle ablösen könnte, war Thema eines gemeinsamen Workshops der Deutschen Gesellschaft für Regenerative Medizin (GRM) und des Universitätsklinikums Heidelberg.

Therapieansätze mit Stammzellen aus Nabelschnurblut auf dem Vormarsch

Geschädigte Gewebe oder Organe mit Hilfe von adulten Stammzellen zu regenerieren bzw. echte therapeutische Fortschritte bei bislang unheilbaren Erkrankungen zu erzielen, ist medizinische Realität geworden. Auch wenn in vielen Einsatzgebieten noch nicht von einer breiten klinischen Anwendung gesprochen werden kann, sind die bisherigen Erfolge sehr viel versprechend und übertreffen die Erwartungen. Dies war der Tenor des Workshops Sources for Stem Cell Transplantations: Think across borders zu dem Professor Dr. Anthony Ho, Ärztlicher Direktor der Klinik für Hämatologie, Onkologie und Rheumatologie des Universitätsklinikums Heidelberg und die Deutsche Gesellschaft für Regenerative Medizin gemeinsam eingeladen hatten.

Mit Spannung wurde insbesondere der Vortrag von Professor Dr. Joanne Kurtzberg erwartet, die als Ärztliche Direktorin des pädiatrischen Blut- und Knochenmarktransplantationsprogramms des Duke University Medical Center in Durham, USA arbeitet. Als eine der wenigen Transplanteure weltweit kann sie bereits auf eine über 15-jährige Erfahrung bei der Therapie mit NSB-Stammzellen zurückblicken. Erstmals verwendete sie die Zellen bei einem Jungen, der an der Sandhoff-Erkrankung litt. Charakteristisch für diese lysosomale Speicherkrankheit ist eine zentralnervöse Neurodegeneration, die bei den betroffenen Kindern noch vor dem zehnten Lebensjahr zum Tode führt. Die NSB-Stammzellbehandlung wurde ein voller Erfolg: Der Patient ist heute über 20 Jahre alt.

Seitdem hat allein Kurtzberg NSB-Stammzellen in 220 Fällen bei verschiedenen Erbkrankheiten, darunter Morbus Krabbe, Adrenoleukodystrophie sowie Morbus Hunter, angewendet. Darunter befanden sich auch 60 Patienten, bei denen die eigenen NSB-Stammzellen verwendet wurden (autologe Transplantation). Weltweit fand NSB bereits über 14.000-mal bei Transplantationen Anwendung. Für Kurtzberg ist Nabelschnurblut bereits heute die bevorzugte Stammzellquelle.

Die Vorteile von NSB-Stammzellen liegen insbesondere in der höheren Differenzierungsfreudigkeit sowie in der sofortigen Verfügbarkeit. Zudem sind diverse Stammzelltypen mit unterschiedlicher Entwicklungspotenz in NSB enthalten. Im Falle einer allogenen Transplantation ist zudem eine weniger ausgeprägte Graft-versus-Host-Reaktion von Vorteil, so dass die Überlebensraten im Vergleich zu Knochenmark wesentlich günstiger ausfallen. Dies gilt auch, wenn die Gewebemerkmale der NSB-Stammzellen nicht zu einhundert Prozent mit dem Empfänger übereinstimmen. Letzteres ist insbesondere dann von Vorteil, wenn kein anderer Spender verfügbar ist, wie Professor Dr. Rupert Handgretinger, Ärztlicher Direktor, Department für Hämatologie/Onkologie und Allgemeine Pädiatrie der Universitätsklinik für Kinder- und Jugendmedizin in Tübingen ausführte.

Inwieweit autologe NSB-Stammzellen therapeutisch bei Typ-1-Diabetes eingesetzt werden können, soll in einer klinischen Studie analysiert werden, deren deutscher Arm von Professor Dr. Annette-Gabriele Ziegler vom Institut für Diabetesforschung in München geleitet wird. Anlass zu dieser Studie gaben Ergebnisse, nach denen NSB-Stammzellen eine Erneuerung der vom Immunsystem attackierten Beta-Zellen des Pankreas bewirken. Zudem enthält Nabelschnurblut regulatorische T-Lymphozyten, die eine starke immun-modulatorische Wirkung besitzen und somit der weiteren Zerstörung der Insulin-produzierenden Zellen entgegenwirken können, wie Professor Dr. Ezio Bonifacio vom DFG-Zentrum für Regenerative Therapien in Dresden ausführte.

Kinder und Jugendliche, die in ähnlichen Studien mit Stammzellen behandelt wurden, zeigten über den Zeitraum von mehreren Jahren eine konstant bessere Blutzuckereinstellung und benötigten geringere Insulinmengen als in der Vergleichsgruppe ohne Stammzelltherapie. Ob durch eine solche Therapie auch eine Heilung von Typ-1-Diabetes möglich ist, wird nicht zuletzt von einer frühzeitigen Gabe der Stammzellen abhängen. Erste Antikörper gegen Insulin sind bereits in den ersten Lebensjahren zu finden, lange bevor Stoffwechselabnormalitäten auftreten. Ein früh einsetzendes Screening-Verfahren von Risikokindern ist daher wünschenswert.

Derzeit läuft bei der Studie des Diabetesforschungszentrums die Patientenrekrutierung. Eingeschlossen werden Kinder, bei denen die Diagnose Typ-1-Diabetes weniger als zwölf Monate zurück liegt und deren eigene NSB-Stammzellen in einer privaten Nabelschnurblutbank eingelagert wurden.
Nabelschnurblut stellt daher eine bedeutende Quelle für adulte Stammzellen für die klinische Transplantation dar. Ziel muss es sein, bei einem möglichst hohen Anteil der Geburten die Stammzellen in öffentlichen oder privaten Blutbanken einlagern zu lassen und sie somit für eine spätere therapeutische Anwendung zu bewahren.

Workshop "Sources for Stem Cell Transplantations: Think Across Borders" Universitätsklinikum Heidelberg
26. September 2008
 
Veranstalter:
Deutsche Gesellschaft für Regenerative Medizin

Medizinische Klinik V
Universitätsklinikum Heidelberg

Zentrum für Kinder- und Jugendmedizin
Universitätsklinikum Heidelberg

Kontakt
Deutsche Gesellschaft für Regenerative Medizin e.V.
Laubestraße 34
60594 Frankfurt am Main

Ulrike Schwemmer, 1. Vorsitzende
Tel.: +49 (0) 69-61995119
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Email: schwemmer@grm-aktuell.de

Christiane Sommermeier, Assistentin des Vorstands
Tel.: +49 (0) 30 3150 6866
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Internet: www.gesellschaft-regenerative-medizin.de


 

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